3 Min.Helmut Wiener

Von der Sucht nach Views und den Wonnen von News.

Verkäufe statt Likes. Ein Plädoyer.

Es scheint, als würde man neuerdings in der Geschäftswelt statt nach Umsätzen in harter Währung, nur nach Likes, Views und Followern streben.

Was für eine Irrung des ökonomischen Imperativs!

Die Macht klassischer Direktwerbung per Newsletter (oder auch Brief!) und ihr überblickbarer Aufwand werden oft vergessen. Der gefühlte Druck, auf allen Social-Media-Hochzeiten gleichzeitig eine flotte Sohle aufs glatte Parkett legen zu müssen, ist enorm.

Ich habe mir erlaubt, eine kleine Datenanalyse von vier Kunden auszubrüten, die meinen langen Weg als Werbetexter gekreuzt hatten: ein Schweizer Einzelhandelsgeschäft, ein global agierender Industriekonzern, ein Online-Handel im deutschsprachigen Raum und eine überregionale Werbeagentur.

Gegenübergestellt hatte ich Zahlen von Followern, Likes und Views einerseits zu Kundendatenbanken andererseits.

Um es vorwegzunehmen: Beispielsweise mit einer Investition von ca. 30 Stunden intern und extern und z. B. 5.000 Adressen kann man per personalisiertem Anschreiben einen kleinen Dienstleister über Wochen mit Anfragen und Verkäufen erquicken.

Es ist zwar offensichtlich, dass man mit denselben Investitionen zahlreiche Views auf Instagram generieren kann. Aber Verkäufe? Wer per Social Media verdient, gehört zu den Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Newsletter sind wirkkräftig: Sie gehen an Menschen, deren Nachfrage dem Angebot des werbenden Unternehmens entspricht. Denn es handelt sich um bestehende Kunden und Offenohrige, die sich selbst in die Adressliste eingetragen hatten.

Zudem läuft dieser Kanal über ein Tool, das der Empfänger buchstäblich immer checkt: seinen E-Mail-Eingang. Wer blickt überhaupt in den Dschungel der Posteingänge von Facebook, Instagram & Co.?

Es ist also an der Zeit, Social Media infrage zu stellen. Und adäquate Aktivitäten zu forcieren. Damit die Zeit- und Geldinvestitionen ins Marketing wirklich wirtschaftliche Wonnen wiederbeleben, nach denen man mit Likes und Views lediglich schielte.